Hallo Du:)
vielen Dank für all die Anregungen für neue Blogeinträge und all das liebe Feedback! In letzter Zeit ist wieder so viel passiert und wir haben so viel gesehen, sodass ich hier stundenlang abarbeiten könnte, welche Orte wir neu entdeckt haben und was so Spannendes geschehen ist. Vielleicht kommt davon auch noch etwas, doch heute möchte ich dem zweimonatigen Ecuaor-Jubiäum diesen Blogeintrag widmen, mit Dingen, die ich bisher gelernt habe und von denen ich denke, dass sie vielleicht auch für andere ganz interessant sein können.
Ihr müsst nämlich wissen, ich habe mich definitiv in diesen zwei Monaten schon in die verschiedensten Richtungen entwickelt, bin durch verschiedenste Situationen gegangen und bin auf jeden Fall gewachsen und manchmal auch gefallen.
Im folgenden würd ich einfach von kleinen nach großen life lessons geordnet einen kleinen Einblick in meine Erkenntnisse geben.
1. Aufgepasst bei Kürbis!
Fröhlich köchelten wir eines Abends unsere Kürbissuppe vor uns hin und präsentierten das Ergebnis stolz der Familie. Was wir für ziemlich essbar befanden, brachte die Familie nicht runter. Es gibt nämlich salzige und eben auch süße Kürbisse. Wenn ihr wünscht, dass eure Gastfamilie auch etwas von der Kürbissuppe kostet, dann kocht doch lieber den süßen Kürbis mit Milch und Zucker und nicht mit Zwiebel und Brokoli. (Ich verteidige sie trotzdem, die Suppe! Ein paar Vitamine, da kümmert es nicht ob süß oder salzig)
2. Spanisch flex
Joa, man kann nicht leugnen, zwei Monate in einem spanischsprachigen Land-da kommt man nicht drumrum immer besser im Sprechen zu werden.
Kichwa habe ich dahingegen unterschätzt! Mein Kichwa-Gehirnareal löscht sich jeden Tag von Neuem.
3. Begrüßen, aber nur ein bisschen
Wenn euch jemand die Hand hinhält, wie typisch die Schüler um Buenos días zu wünschen, dann drückt nicht zu fest zu und haltet nicht zu lang fest. Also nicht so, als würdet ihr in Deutschland jemandem die Hand schütteln, das sorgt für Verwirrung! Haltet mehr eure Hand dran, wie bei einem soften Handschlag. Auch bei der Frage „Cómo estás“ müsst ihrs nicht übertreiben. Also packt da nicht gleich eure tiefsten Gefühle und Lebenslage aus. Ihr könnt einfach abwägen, ob ein Lächeln genügt oder es sogar eine knappe Antwort „bien“ sein darf.
4. Nehmt euch in Acht vor Schulmorocho!
Was vor ein paar Wochen noch jeden Dienstag für Vorfreude sorgte, war dann Schuld an meiner Lebensmittelvergiftung. Morocho ist eine Art Milchreis, ein flüssiges Frühstück, Getreide gekocht in Milch. In der Schule kleine Säckchen mit Getreide, von verschiedenen Kindern mitgebracht in einem großen Topf voll mit unzähligen Portiönchen Milch, ebenfalls von verschiedenen Kindern mitgebracht, geköchelt. Joa, Milch kann theoretisch schlecht sein und dann geht das nicht gut aus. Ich will euch die üblen Details ersparen, aber selten in meinem Leben war ich so krank. Als wäre das nicht genug, wurde ich auch noch der Limpia unterzogen (einem indigenen Ritual, um den Teufel, der für die Krankheit verantwortlich gemacht wird, auszutreiben. Mit einem Kräuterbüschel abgeschlagen und danach mit Benzin eingerieben, habe ich allerdings keine Besserung verspürt.)
5. Stirnlampe, Powerbank und Filterflasche sind euer bester Freund!
In einem Land mit teilweise 14 Stunden Stromausfall am Tag (Gerade haben wir nur zwischen 11 und 14 Uhr und dann wieder ab 20 Uhr Strom und eigentlich so gut wie kein WLAN) und unberechenbar auftauchend dreckigem Wasser, da machen diese Utensilien das Leben doch ein ganzes Stück einfacher.
6. Keine Angst vor Mehrbettschlafzimmern!
Ihr spart viel Geld und genießt den Backpacker-Vibe.
7. Deutschland ist priviligert!
Hach, das merke ich einfach jeden Tag. Und ich bin ehrlich, davon vermisse ich eine Menge.
Leerzeile für all die Privilegien und Ungerechtigkeit.
8. Kinder: sind einfach da und das ist so schön!
Letztens habe ich mit eiener Freundin in meiner Freistunde vor der Schule telefoniert. Neugierig schauten mir eine Schar Kinder über die Schulter. Verwundert meinte die Freundin dann: Hä, die sagen ja gar nichts, die sind einfach da. Und genau das finde ich so schön, dass man keine großen Konversationen betreiben muss, dass das Dasein so schön ist. Die Kinder stecken mich jeden Tag mit ihrer Energie und ihrem Lächeln an. Das macht mich einfach glücklich und in ihrer Gegenwart ist es kein Kunstwerk, man selbst zu sein. Umgekehrt ist es so schön, wenn ich sehe, dass ich die Kinder zum Lächeln bringen oder in ihnen Neugier wecken konnte.
9. Folge deinem Herzen, aber nicht zu weit.
Das hat meine beste Freundin diese Woche zu mir gesagt, und ich kann nur festhalten: Bauchgefühl und Herz sind so wichtig.
10. Lass es verwehen.
Noch ein Zitat. Manchmal muss man Dinge nicht so aktiv angehen, manchmal ist es einfacher, sie verwehen zu lassen habe ich hier gemerkt.
11. Kommunikation ist ein und alles.
Um ehrlich zu sein, die Menschen in meinem Dorf sind gar nicht gut in Kommunikation. Mir werden Dinge maximal 2 Minuten vorher gesagt, Probleme werden nicht angesprochen und allgemein wird wenig geredet. Da bleibt einem nichts anderes übrig als selbst die Initiative zu ergreifen und so viel zu kommunizieren wie irgend möglich. Dennoch bleibt es schwierig.
12. Für mich ist es nochmal etwas komplett anderes, einem Menschen in seinem Umfeld, seinem Zuhause zu begegnen.
Gestern sind Jenny und eingeladen worden, mit Schülern von uns nach Hause zu gehen, um dort Kuchen zu backen. Jeden Tag sehe ich die Schüler in der Schule, doch jetzt blicke ich noch einmal ganz anders auf meine Klassen und verstehe so manche Situation besser. Versteht mich nicht falsch, es war so schön und lustig, die Schüler in ihrer „Freizeit“(existiert hier kaum) zu sehen. Aber eben auch Augen öffnend, was hinter all den Kindern in ihren einheitlicher Schuluniform steckt. All die Hintergründe beschäftigen mich wirklich. Ich hätte nicht gedacht, dass die Kinder so arm leben, die ganze Familie in einem Raum, von ganz klein bis ganz groß, immer zu dritt in einem Bett. Privatsphäre kennen die Kinder nicht, ebenso wenig einen ruhigen Ort, um ihre Hausaufgaben zu machen. Die Situation der Eltern ist oft schwierig. Die der Teenager-Mädchen auch. Ich verstehe so vieles besser und blicke noch einmal ganz neu auf alles hier, auch auf meinen Unterrricht. Und bin wahrlich beeindruckt, wie die Kinder doch so viel Freude, Kraft und Fantasie in sich tragen währenddessen sie so viel Selbstständigkeit an den Tag legen müssen.
13. Überlege: Ist der Grund dir gegenüber respektvoll.
Noch ein Zitat.
14. Man lernt, sein eigenes Zuhause zu sein.
In einem Land, in dem alles fremd ist, außer man seber, da sollte man sich selber nicht auch noch allzu fremd sein. Ständig wechseln hier die Orte und Menschen um mich herum, mein Zuhause, meine Familie, meilenweit entfernt. Da tut es gut, dass ich ein Zuhause in mir gefunden habe und es so meist dabei habe. Dazu muss ich aber stets 13) beachten.
15. Das Deutsch- Gedicht, dass ich bestimmt 5mal in meiner Schulzeit analysiert habe (und von dem ich -shame on me- den Titel nicht mehr weiß), dieses euch wohl unbekannte Gedicht ist falsch!
Es stimmt nicht. Es sagt nämlich, man möchte die ganze Welt bereisen, um sich selbst zu finden und am Ende ist das nur kontraproduktiv und man findet sich Zuhause. Bisher kann ich für mich nur feststellen, dass fern von allem bekannten, bin ich indirekt so sehr mit mir selbst konfrontiert wie wohl nie zuvor. Die Betonung liegt auf indirekt. Direkt denke ich so wenig über mein Leben nach wie nie zuvor. Aber man ist gezwungenermaßen viel sich selbst ausgesetzt und kommt viel besser klar mit Punkt 14). Erstaunt bin ich, mich selbst immer sicherer zu spüren.
Soooo….sicherlich gibt es noch viel mehr life lessons, das war nur eine kleine Auswahl. Das Ganze schreibe ich nicht, um euch unter die Nase zu reiben, wie es mir denn geht oder wieviel ich schon gelernt habe. Vielmehr dachte ich, für euch, die vielleicht mal nach Ecuador reist oder überlegt ein Jahr weltwärts zu gehen, oder Deutsch-Gedichte analysiert, vlt findet ihr ganz interessant meine Gedanken dazu mal zu lesen. Und vlt schildert es die andere Ebene des Lebens hier ganz gut.







Kommentar hinzufügen
Kommentare